Das MoosBeer Experiment

Dieses Dokument beschreibt den aufwändigen Versuch die bekannteste kulinarische Spezialität aus Tirol sowohl geschmacklich wie auch optisch zu kopieren.

Der internationale Nahrungsmittelexperte und größte Kapazität des Lebensmitteldesigns Gerald U. und der Reverse Engineering Experte Michael V. befanden sich im März 2005 im Schiurlaub in der ca. 1441 Einwohner und ca. 563 Gebäude zählenden Gemeinde St. Ulrich am Pillersee.

Unterkunft nahmen sie dabei in der wohl gemütlichsten Pension im Ort.
"Schon bei der ersten Begegnung mit der Pension Fohlenhof werden Gemütlichkeit, Gastlichkeit und warme Eleganz vermittelt."

Diese Ecke Österreichs ist nicht nur wegen der bezaubernden Landschaft sehr reizvoll, sondern auch wegen der über die Landesgrenzen hinaus bekannten "Tiroler Moosbeer-Schmandln" . Die Experten Gerald U. und Michael V. wussten, dass es nur hier die Möglichkeit geben würde, hautnah bei der Zubereitung der "Schmandln" dabei zu sein.

Bei der einmaligen Verköstigung auf Einladung der Fam. W. konnten sich die Spezialisten vom Genuss dieser "Schmandln" dann tatsächlich überzeugen. Der Geschmack übertraf alle Erwartungen. Das Aroma dieser wilden Tiroler Moosbeeren würde nicht leicht zu kopieren sein. Weiters waren Teile der Rezeptur des Teiges noch ein Geheimnis, welches es ebenfalls zu knacken galt.

Während der Heimreise und in den Folgetagen berieten sich die Experten und besprachen die weitere Vorgehensweise. Am Ostersonntag des Jahres 2005 war der Tag gekommen. Dies sollte die Geburtsstunde des ersten kopierten und dem Original um nichts nachstehenden "Vorarlberger Moosbeer-Schmandl" sein.

Die Voraussetzungen schienen günstig. Das Speisenverarbeitungslabor war speziell für diesen Zweck vorbereitet worden und die Zutaten schienen ebenfalls perfekt zu sein. Durch gezieltes Fragen waren die Zutaten des Teiges im Groben bereits bekannt, aber die Kopierer wussten, dass es am Schluss auf die richtige Zusammensetzung der Teigmasse ankam. Wilde Tiroler Moosbeeren waren in Vorarlberg nicht aufzutreiben. So beschlossen die Spezialisten kurzerhand, anstelle dieser, wilde Vorarlberger Moosbeeren aus dem Bereich Damüls - ca. 326 Eingeborene - zu verwenden. Die Beeren dürften in etwa die selbe Qualität und den selben Geschmack aufweisen.

Um Punkt 13:00 Uhr wurde der Prozess des Kopierens gestartet, die Herdplatte auf die höchste Stufe gestellt und die Thea in die Pfanne geworfen. Ein letzter Kontrollblick auf den Teigbehälter.

moosbeer_im_becher.jpg

Eine Simulation war im Vorfeld nicht möglich, so blieb den Experten ein einziger Versuch.

In Tirol konnten sie beobachten, wie bis zu vier Stück dieser Köstlichkeit auf einmal in einer Pfanne gefertigt wurden. Aufgrund der Pfannenmaße und der Kochlöffelabmessungen schien dies für Vorarlberger Verhältnisse übertrieben. Die Spezialisten entschieden sich daher zuerst mit zwei zu beginnen, um sich gegebenenfalls noch steigern zu können.

Gezielt wurden mit einem Esslöffel zwei runde "Schmandln" in der Pfanne geformt und mit Moosbeeren bestückt. Anfänglich schien die Konsistenz des Teiges dem in Tirol zu entsprechen.

moosbeer_start.jpg

Die Speise verhielt sich in der Pfanne jedoch nicht wie erwartet. Die im Tirol beobachtete Veränderung blieb unbekannterweise völlig aus. Das "Schmandl" wurde im unteren, der Pfanne zugewandten Seite, zwar fester, ließ sich jedoch nicht wenden. Mehrere Versuche, wobei das Werkzeug vom Esslöffel über Kochlöffel bis zu einer Gabel wechselten, blieben erfolglos. Panik brach aus. Das Projekt schien zu diesem Zeitpunkt bereits als gescheitert.

Die letzten Rettungsversuche des Experten Gerald U. zeigten ebenfalls keine Wirkung mehr. Durch Anheben der Pfanne und panischem "in der Pfanne Herumrühren", konnte die Speise lediglich noch vor dem kompletten Verbrennen gerettet werden.

moosbeer_in_pfanne.jpg

Gegen 13:08 Uhr war es Gewissheit. Der Versuch ein "Tiroler Moosbeer-Schmandl" in Vorarlberg zu kopieren war gescheitert.

moosbeer_im_teller.jpg

Wer die original "Tiroler Schmandln" schon mal gesehen hat, wird nur bei genauem hinsehen gewisse Übereinstimmungen erkennen können. Selbst durch das anschließende Hinzufügen, bzw. durch Verschleiern mit Vanille-Eis und Staubzucker bekommt das "Schmandl" nicht wirklich mehr Ähnlichkeit.

moosbeer_ende.jpg

Die anschließende Nachbesprechung und Analyse des Vorarlberger Versuchs bestätigte die bis dahin verdrängte Annahme, dass die original "Tiroler Moosbeer-Schmandln" nicht kopiert werden können. Selbst durch die Anwendung modernster wissenschaftlicher Verfahren und Methoden gelang es den beiden Experten unter Laborbedingungen nicht, eine essbare Kopie zu erzeugen.

Fazit:
"Tiroler Moosbeer-Schmandln" gibt es einfach nur im Tirol. Alleine wegen diesem Genuss würde sich ein Aufenthalt auf alle Fälle lohnen. :-)

Besonderer Dank der Fam. W. aus St. U. a. P:

Stephanie für die englische Unterhaltung und die netten Spiele am Abend,
Christina für deine Begeisterung bei den Schirennen - du hast 2:1 gewonnen,
Annemarie für die unbeschreiblich tolle Verpflegung und die "Schmandln",
Thomas für die tägliche Begleitung und perfekte Organisation;

Weiters Dank an Nicole, Veronika und Jan, die den Urlaub durch ihre Anwesenheit zu einem besonderen Erlebnis machten. Christian, danke für den mehrstündigen Ausritt ins Reich der Fischzucht. ;-)

Irgendwie schreit das Ganze nach WIEDERHOLUNG.

thx mICvAL, fimbul

© 2002-2016, Christian Glahn and Michael Valersi